„Das merkwürdige Paradox ist: Erst wenn ich mich so annehme, wie ich bin, kann ich mich verändern.“ – Carl Rogers
Normaler als gedacht – Warum sich deine Gefühle nicht wegdrücken lassen
Du kennst diesen Moment.
Etwas zieht sich in dir zusammen. Angst, Wut, Traurigkeit, irgendetwas, das du gerade nicht gebrauchen kannst.
Also machst du, was du immer machst.
Du schiebst es weg. Lenkst dich ab. Funktionierst weiter.
Und für einen Moment klappt das auch. Das Gefühl wird kleiner, der Tag geht weiter.
Aber abends ist es wieder da. Oder ein paar Tage später. Meist größer als vorher.
Du fragst dich, warum es nicht einfach verschwindet, obwohl du dir so viel Mühe gibst, es nicht zu spüren.
Vielleicht liegt es daran, dass dir nie jemand gezeigt hat, wie man ein schwieriges Gefühl aushält. Wegdrücken war dann erst mal der einzige Weg, den du kanntest.
Steven Hayes, der Begründer der Akzeptanz- und Commitmenttherapie, beschreibt, dass der Versuch, unangenehme Gefühle einfach loszuwerden, bei unserem Innenleben grundsätzlich nicht funktioniert, anders als bei einer kaputten Maschine, die man reparieren kann.
Ein schwieriges Gefühl ist deshalb oft kein Fehler, den du beheben musst, sondern ein Signal, das verstanden werden will.
Was beim Wegdrücken oft wirklich passiert:
- Kurzfristig entlastet es: Das Gefühl wird für den Moment kleiner, deshalb machst du es wieder.
- Langfristig wird es stärker: Wovor du fliehst, meldet sich beim nächsten Mal schneller und heftiger.
- Dein Gefühl ist ein Signal: Es zeigt dir, was du gerade brauchst.
- Wegdrücken kappt die Verbindung: Wer nichts fühlt, kommt auch anderen schwerer nah.
- Kein Gefühl bleibt für immer: Jede Welle steigt an und flacht von selbst wieder ab.
Was machst du normalerweise, wenn ein schwieriges Gefühl in dir hochkommt?
Wenn du magst, antworte mir gern auf diese Mail. Ich lese jede Antwort!
Die nächsten fünf Ansätze helfen dir, schwierige Gefühle zuzulassen, ohne von ihnen überrollt zu werden: klein genug, dass du heute damit anfangen kannst.
Nutze diese Tipps:
- Benenne, was du fühlst: Ein innerliches „Das ist gerade Angst“ schafft schon Abstand.
- Geh nicht sofort in die Ablenkung: Bleib einen Moment bei dem Gefühl, statt es gleich zu betäuben.
- Surfe auf der Welle: Beobachte, wie das Gefühl ansteigt, seinen Höhepunkt hat und wieder nachlässt.
- Handle gegen den Fluchtimpuls: Drängt dich etwas zum Rückzug, mach einen kleinen Schritt in die Situation hinein.
- Frag, was das Gefühl dir sagen will: Hinter fast jedem Gefühl steckt ein Bedürfnis.
Schwierige Gefühle lassen sich selten wegdrücken. Aber sie lassen sich aushalten. Und sie gehen vorbei.
Je öfter du das erlebst, desto weniger Angst machen sie dir.
Wenn dir diese Ausgabe gefallen hat, teile sie gern auf Threads oder Instagram.
👉 https://howtobenormal.de/normaler-als-gedacht-16-september-2026
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.
Bis bald,
dein „Therapie-Therapeut“ Timo
P.S. – Ich wollte heute ein Gefühl ganz souverän ignorieren. Es hat sich abends höflich zurückgemeldet und gefragt, ob wir jetzt reden könnten.
