„Wer einmal von einer Schlange gebissen wurde, fühlt sich zehn Jahre lang von einem Seil bedroht.“ – Chinesisches Sprichwort
Normaler als gedacht – Warum deine Angst durch Ausweichen wächst
Da ist diese eine Sache, die du seit Tagen vor dir herschiebst.
Ein Anruf. Eine Mail. Ein Gespräch, das ansteht.
Jedes Mal, wenn du daran denkst, zieht sich etwas in dir zusammen.
Und jedes Mal denkst du: „Später. Morgen. Wenn ich mehr Ruhe habe.“
Für einen Moment ist da Erleichterung. Der Druck lässt nach.
Aber am nächsten Tag ist die Sache noch da. Nur ein bisschen größer.
Du fragst dich vielleicht, warum etwas, das eigentlich klein ist, sich mit jedem Tag schwerer anfühlt. Und warum die Erleichterung von gestern heute schon wieder weg ist.
Die Psychotherapeutin Franca Cerutti beschreibt dein Angstsystem als eine Art Feuermelder. Er soll dich bei echter Gefahr warnen, springt aber manchmal schon bei Wasserdampf an.
Das Entscheidende: Dieser Feuermelder lernt mit. Jedes Mal, wenn du einer Situation ausweichst, bestätigst du ihm, dass die Gefahr echt war.
Ausweichen beruhigt dich deshalb kurzfristig und macht die Angst langfristig stärker.
Was beim Ausweichen oft wirklich passiert:
- Dein Angstsystem ist ein Feuermelder: Es warnt auch dann, wenn keine echte Gefahr da ist.
- Ausweichen bestätigt den Alarm: Jede Flucht sagt deinem Gehirn „gut gemacht, das war gefährlich“.
- Kurze Erleichterung, mehr Angst danach: Was dich sofort beruhigt, füttert die Angst auf Dauer.
- Deine Angst flacht von selbst ab: Sie steigt an, erreicht einen Höhepunkt und lässt wieder nach, meist in unter 30 Minuten.
- Dein Gehirn bleibt lernfähig: Angst ist erlernt und lässt sich auch wieder verlernen.
Was schiebst du momentan vor dir her?
Wenn du magst, antworte mir gern auf diese Mail. Ich lese jede Antwort!
Die nächsten fünf Impulse helfen dir, der Angst in kleinen Schritten zu begegnen, statt ihr auszuweichen: klein genug, dass du heute anfangen kannst.
Nutze diese Tipps:
- Nimm dein Ausweichen wahr: Merke, wovor du dich heute drückst, ohne dich dafür zu verurteilen.
- Bleib einen Moment länger: Wenn die Angst kommt, halte kurz aus, statt sofort zu gehen.
- Lass die Welle abklingen: Angst steigt an und lässt von selbst wieder nach, meist in unter 30 Minuten.
- Geh einen kleinen Schritt darauf zu: Nicht der große Sprung, nur eine Stufe näher.
- Prüfe, was wirklich passiert ist: Frag dich hinterher: War es so schlimm wie befürchtet? Notiere dir das.
Angst wird selten kleiner, wenn du ihr ausweichst. Sie wird kleiner, wenn du ihr in kleinen Schritten begegnest und merkst, dass du mehr aushältst, als du dachtest.
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👉 https://howtobenormal.de/normaler-als-gedacht-30-september-2026
Danke, dass du dir die Zeit genommen hast.
Bis bald,
dein „Therapie-Therapeut“ Timo
P.S. – Ich wollte diese Mail eigentlich erst morgen schreiben. Dann fiel mir auf, worüber sie handelt.
